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Brief vom 20. Januar 2019

Bestens versteckt, aber dir fällt zum Glück immer etwas ein. Ich hätte wahrlich eine Menge zu erzählen zu uns beiden, will ich aber nicht, weil die Amerikaner hier wie unten natürlich ganz begierig mitlesen.

Was die so allmählich in den Wahnsinn treibt ist der Umstand, dass die Amerikaner von CIA und Army ständig vor mir und in aller Öffentlichkeit antreten müssen. Denn werden sie zusammen mit mir gesehen, dann wissen sie und auch die Zuschauer, dass sie verschwinden dürfen.

Augsburg war bis 1993 Garnisonsstadt für US Truppen, hier liegen die Dinge etwas anders als etwa in Feldbach. Es waren viele Amerikaner, vor allem Zivilpersonen im Schlepptau der amerikanischen Streitkräfte, nach dem Abzug zurückgeblieben. Und die haben sich dann unter der Regie der örtlichen CIA und der zivilen Army munter an den rechten Umtrieben beteiligt. Und wie stets nicht ahnend, dass die Sicherheit alle Gemeinheiten und Sauereien sorgfältig mitnotiert. Oder sie wussten es und es war ihnen gleichgültig, denn in der Vergangenheit, nach dem Kriegsende 1945, musste man ihnen wohl oder übel freie Hand lassen.

Keiner oder kaum einer der Amerikaner ahnte wohl, dass sich die Dinge wieder drehen und gegen sie richten könnten. Und nun finden so etwas wie kalte und unfreundliche Treibjagden statt, man will diesen Leuten beibringen, dass sie hier nicht mehr erwünscht sind und verschwinden sollen.
Aber die Betroffenen geraten nun in Schwierigkeiten. Offenbar ist es Policy der CIA, dass viele ihrer Beamten und auch informelle Mitarbeiter hier bleiben sollen, bis zum Ende ihres irdischen Daseins. Man hat diese Leute wohl damit geködert, dass ihnen seitens von CIA und Army eine Führungsrolle und bevorzugte Behandlung zugestanden wird, verglichen mit der einheimischen Bevölkerung.

Das aber hat sich inzwischen als Bumerang erwiesen. Am meisten gescheucht werden die aktiven Beamten von CIA und von der Army, und das in aller Öffentlichkeit, somit von den Informellen gut zu beobachten. Ich konnte letzte Woche so eine Szene beobachten.

In einer Bibliothek, vor allen Leuten, tauchte eine Amerikanerin auf, wohl eine aktive Beamtin, und begann damit, die Leute herum zu kommandieren. Zunächst wunderte mich eine wenig, dass die Angesprochenen, die meisten Ausländer aus dem Nahen Osten, eher unwillig reagierten, besonders beeindruckt waren sie nicht.
Danach hat sie sich auf mich gestürzt, ich soll nicht schreiben (ich saß an einem Bildschirm), ich soll den Mund halten und endlich den Amerikanern gehorchen.
Das köchelte so eine Weile vor sich hin, die Leute waren natürlich neugierig und ließen sich nichts entgehen. Die Sicherheit schaute auch zu und während sie immer mehr in Fahrt geriet, hat man sie einfach hinausgeworfen. Und zwar nicht nach der rechten Methode, dass sie noch viel Theater macht und dann irgendwann beschließt, den Platz zu räumen. Sie hatte schleunigst ihre Sachen zu packen und blitzartig zu verschwinden.

Unter den Amerikanern hier befinden sich zahlreiche Frauen, meist schon älter und vermutlich meistens alleinstehend. Deren Anteil scheint größer zu sein als bei uns unten. Ich vermute nun, dass viele von ihnen wegen ausgewiesener Rechtslastigkeit die Staaten verlassen mussten und sich hier ebenfalls unter das Kommando von CIA oder Army begeben hatten.
Soweit sie dabei ungut aufgefallen waren, legt man ihnen nun gleichsam ein Verschwinden nahe. Und die geraten nun in Schwierigkeiten. Hier kann sie die CIA nicht mehr schützen und zurück in die Staaten könnten sie zwar formalrechtlich, aber dort erwartet sie von der linken Seite her nur Ungutes.

Die meisten der hier lebenden Amerikaner haben sich mit Häuschen, Vorgarten und mit Auto wohnlich eingerichtet. Das alles sollte so weitergehen, aber nun müssen viele entsetzt feststellen, dass man sie hier nicht mehr haben will. Im Grunde kann man bei diesen Leuten zwei Verhaltensweisen beobachten.

Die einen ignorierten stur jegliche Veränderung und setzen stur damit fort, ihre Herrschaftsrolle in der Öffentlichkeit weiter auszuspielen. Die anderen stellen sich in der Straßenbahn bereits mit dem Gesicht zum Fenster, damit sie den diversen Anwürfen aus den Reihen der Fahrgäste entgehen können.
Egal, wo sie sich befinden, man lässt diese Amerikaner nicht mehr zur Ruhe kommen. Die aber ihrerseits denken im Traum nicht daran, die linke Seite überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Es ist auch hier das sattsam bekannte Problem anzutreffen, dass all diese Leute glauben, es handele sich nur um eine vorübergehende Erscheinung.

Pummelschatz, ich melde mich wieder, uns beide betreffend gibt es auch noch einige Anmerkungen, ein Mitlesen hin oder her…

Großes Küsschen