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Brief vom 28. August 2018

Erbaut war ich nicht von dem, was ich von dir gehört habe. Und wie schon mehrfach bei dir, du bringst mich in große Verwirrung. Aber alles der Reihe nach.
Da geht es zuerst einmal um die Frage, was an der Geschichte stimmt. Im Auftrag der CIA wurde mir von anderen schon viel erzählt, was sich bei näherem Hinschauen wie Wasserdampf in der Tropensonne verflüchtigte.
Hat die Sache wirklich Substanz, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Amerikaner oder die Sicherheit haben dich nach Wien geschickt.

Bei der Sicherheit habe ich so meine Zweifel, du gehörst zur Gruppe 1.1 und stehst am Rande von Linksland. Da kann ich mir so recht nicht vorstellen, dass sie dich trotz aller mühsamen und langwierigen Vorbereitungen kurz vorher noch wegschicken.

Bei den Amerikanern von der CIA sieht das natürlich anders aus. Die schicken dich nur aus dem einen Grund weg, sie wollen Linksland bei dir verhindern. Nicht ganz Unrecht wirst du mit deiner Einschätzung haben, dass sie dich dann in Wien mit viel Grobheit wieder auf kompletten Rechtskurs bringen wollen. Das fing schon damit an, dass der Typ, der mir gestern in der Mittelgruppe gegenüber saß, dich gleich mit Gewalt bedrohte, solltest du es wagen, mit mir reden. Daraus schließe ich, dass dich die linke Seite in den Zug gesetzt hatte.
Allzu viel zu befürchten hättest du allerdings nicht, auch in Wien ist eine Polizeibehörde auf Bundesebene für dich zuständig, da können die Amerikaner nur sehr begrenzt grob zu dir werden.

Darum geht es jedoch nur am Rande. Ich bin zunächst einmal grundsätzlich nicht damit einverstanden, dass du so kurz vorher deine Zelte in Wien aufschlägst. Besser geeignet wäre Graz, du wärst weit genug von zu Hause weg, hättest Ruhe zum Studieren, ein Quartier lässt sich leichter finden und die Stadt ist nicht so teuer wie Wien.
Dass man dich in Graz abgewimmelt hat, mit eher rüden Methoden, ist mit Sicherheit auf die CIA zurückzuführen. Ich habe als erstes nun die linke Seite gebeten, dass man sich gründlich um die Professorin kümmert, die im Auftrag der Amerikaner dieses so unschöne Gespräch mit dir führte.

Die Frage ist jetzt, was die Sicherheit noch durchsetzen kann und wird. Schicken dich die Amerikaner doch nach Wien, verlieren wir dich. Denn du wirst davon ausgehen, dass die Amerikaner sich als die Stärkeren erweisen. Deine Heranführung an Linksland muss auch abgebrochen werden, denn du wärst in Wien alleine im Linksland und das soll niemandem zugemutet werden. Es kommt dazu, dass schon einige aus der Gruppe 1.1 von den Amerikanern weggeschickt wurden.

Es geht den Amerikanern immer darum, sie irgendwo unterzubringen, von wo aus sie keinen Kontakt mehr zu mir aufnehmen können. Ich habe einen Fall in Graz, die wurde aus der Mensa abgezogen und in der Kantine einer Schule untergebracht, dort habe ich natürlich keinen Zutritt mehr. Eine andere arbeitet jetzt in Tieschen, für mich auch schwierig zu erreichen. Das Gleiche gilt für eine dritte Tochter, die hat man in die Nähe von Straden zu einer neuen Arbeitsstelle geschickt. Eine vierte musste sogar die Schule wechseln, die bekomme ich überhaupt nicht mehr zu sehen. Diese Leute aber kann ich immer noch irgendwie erreichen, nur Wien wäre eben viel zu weit weg. Und letztlich: Setzt sich das fort, löst sich die Gruppe 1.1 langsam aber sicher auf.

Es bleibt jetzt abzuwarten, was die Sicherheit unternehmen wird. Höre ich irgendetwas Neues, melde ich mich bei dir wieder. Sollte bei dir nun doch noch irgendeine Wendung eintreten, gib mir bitte Bescheid.

Küsschen